Jahreskreis Blog

Das Schreiben macht mich glücklich. Ob als Bibliothekarin beim Verfassen eines Artikels für die regionale Zeitung oder auf meiner Homepage und anderen offenen Kanälen. Ich lebe ein bewusstes Leben im Rhythmus mit dem Jahreskreis, beschäftige mich mit altem Wissen und Spiritualität im Alltag. Mit diesem öffentlich geführten und einsehbaren Tagebuch auf meiner Webseite teile ich meine Gedanken zu diesen Themen in niedergeschriebenener Form mit dir. Ich freue mich über deine Kommentare.


24 Jän 2021

1. Jahreskreis Fest - Kerzenritual im Wald

Neben mir in meiner Räucherschale verraucht das soeben gesammelte Fichtenharz aus dem Wald. Welch herrlicher Harzduft liegt in der Luft. Eine geweihte Kerze brennt während ich schreibe. Ich liebe das Räuchern. Ich liebe Kerzen. Ich liebe den Wald und ich liebe Rituale.

 

Und so ergab es sich heute per Zufall, dass ich zu einem einfachen und dennoch schönen Lichtmess-Ritual gefunden habe. Es ist Ende Jänner, meine Gedanken kreisen um das keltische Jahreskreis Fest Imbolc, die Kirche nennt es Lichtmess. Auch wenn das eigentliche Fest erst am 1./2. Februar stattfindet, so kann man die Grundenergie bereits davor und noch danach wahrnehmen.

 

Ich machte mich auf zu einem Waldspaziergang mit meiner Australien Shepherd Hündin. Kurz davor erreicht mich der Impuls, eine Stabkerze einzustecken und im Wald anzuzünden. Mit der brennenden Kerze in der Hand spazierte ich also den ganzen Weg, eineinhalb Stunden, in einem meditativen Tempo durch den Wald. Ich spürte die Präsenz der Fichten und ließ mir von ihnen Fichtenharz schenken, welches nun in meiner Räucherschale verbrennt.

 

Ich platzierte die Kerze an geheimen Plätzen am Fuß mancher Bäume, die sich mir zwischen den Schneehaufen zeigten. Vielleicht offenbarten sie den Eingang zu kleinen Höhlen für Naturgeister? Ich verweilte an Lichtungen, die sich mir anboten als Platz zum Innehalten und Lauschen der Geräusche der Natur. Neben dem Rauschen eines Baches waren da die ersten Vogelgeräusche, die an den Frühling erinnern.

 

Mir kamen unter anderem Elster, Rabenvogel und Meise unter. Doch die wohl beeindruckendste Vogelbegegnung war ein Specht. Man kann wirklich von einem himmlischen Zufall sprechen, denn genau von dieser einen Fichte habe ich etwas Harz genommen. Ich bin mir sicher, ich hätte das dumpfe weit entfernte Klopfen an der Rinde nicht wahrgenommen, wäre ich nicht länger am Fuß dieses Baumes verweilt. In der Baumkrone entdeckte ich das kleine klopfende Tier schließlich.

 

Beim Blick nach oben zur einsetzenden Dämmerung offenbarte sich mir das Leuchten des Mondes. Dazu der Lichterschein meiner Kerze. Meine Kerze fühlte sich in diesem Moment gesegnet an. Vom Licht des Mondes, von den Bäumen und Geschöpfen des Waldes. In alten Zeiten wurde zu Lichtmess in der Lichtermesse der Kerzenvorrat für das gesamte Jahr geweiht. Wenn man möchte, findet man diesen Segen mit einer reinen und lichtvollen Absicht auch in der Natur. Das Thema von Imbolc ist das Segnen des Neuen und das Verabschieden des Alten. Hierfür bietet sich tatsächlich das Räuchern von Fichtenharz an.

 

Öffnet man seine Sinne für einen bewussten Spaziergang, erfährt man so manch schöne Sinneseindrücke.

Kommentare: 0